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Mindestlohn

Lohndumping hat in Deutschland seit vielen Jahren Konjunktur. Die Zahl der Beschäftigten, die vom Lohn ihrer Arbeit nicht leben können, ist stark gestiegen. Stundenlöhne von fünf Euro und weniger sind keine Seltenheit. Ein Bäcker verdient in Sachsen-Anhalt laut Tarifvertrag 4,48 Euro pro Stunde. In Rheinland-Pfalz erhalten Beschäftigte in der Bekleidungsindustrie einen Tariflohn von 5,84 Euro pro Stunde. Anhaltende Massenarbeitslosigkeit, Hartz IV, die Ausweitung von Minijobs und der Boom der Leiharbeit drücken auf die Löhne. Mehr als 6,5 Millionen Beschäftigte, das ist mehr als jeder Fünfte, arbeiteten im Jahr 2008 zu Niedriglöhnen. Im Zeitraum von 1998 bis 2008 ist die Zahl der Niedriglohnbeschäftigten um knapp 2,3 Millionen gestiegen. Insbesondere Frauen werden oft schlecht bezahlt.

Immer mehr Menschen verdienen so wenig, dass sie auf Sozialleistungen angewiesen sind. Im Jahr 2006 erhielten bereits 880 000 Erwerbstätige neben ihrem Lohn Hartz IV-Leistungen. 2007 stieg diese Zahl auf 1,3 Millionen. Auch im Jahr 2011 bleibt die Anzahl der Erwerbstätigen, die zusätzlich zu ihrem Lohn auf Hartz IV-Leistungen angewiesen sind, mit mehr als 1,3 Millionen unverändert hoch. Der Staat subventioniert so Unternehmen, die schlechte Löhne zahlen.

Dieser Zustand ist einer reichen Gesellschaft unwürdig. Von Arbeit muss man leben können. Nur ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn kann dem Lohndumping eine Grenze setzen, unter der nichts mehr erlaubt ist. Nur ein ausreichend hoher Mindestlohn kann Hungerlöhne, die nicht zum Leben reichen, verhindern. Wenn die Löhne wieder auf einem sicheren Fundament stehen, gehen auch die Einnahmeausfälle bei Steuern und Sozialversicherungen infolge von Lohndumping und prekärer Arbeit zurück. Die Staatskassen werden von aufstockenden Sozialleistungen entlastet. Schließlich stärkt ein gesetzlicher Mindestlohn auch die Binnennachfrage.

Die vorangegangene Große Koalition glänzte lange durch Untätigkeit. Dann legte sie Flickwerk vor. Auch die jetzige schwarz-gelbe Koalition will bislang keinen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn einführen und hält an der Strategie fest, nur auf Branchenmindestlöhne zu setzen. Das reicht alleine nicht aus, weil ein unübersichtlicher Flickenteppich mit vielen weißen Flecken entsteht. Auch der aktuelle Vorschlag der CDU ist eine Mogelpackung, da ihre angestrebte Lohnuntergrenze weder flächendeckend noch verbindlich sein soll. Tarifvertraglich geregelte Löhne können darunter liegen und je nach Branche und Region kann es Abweichungen von der Lohnuntergrenze geben.

Die Fraktion DIE LINKE fordert die Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohns, der in der laufenden Wahlperiode auf 10 Euro pro Stunde erhöht wird und Jahr für Jahr zumindest in dem Maße wächst, wie die Lebenshaltungskosten steigen. Wenn in einer Branche der unterste Tariflohn über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt, soll dieser für allgemeinverbindlich erklärt werden. Dazu ist die Allgemeinverbindlichkeitserklärung auch ohne Zustimmung der Arbeitgeberverbände zu erleichtern.


Mehr zum Thema

14.12.2011 – ANTRAG – Drucksache Nr. 17/8148

Tarifsystem stabilisieren

Der Niedriglohnsektor weitet sich aus und die Tarifbindung geht zurück. Es ist daher notwendig, als untere Haltelinie für das Entlohnungsgefüge einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn einzuführen und darüber hinaus das Tarifvertragssystem auf gesetzlichem Wege zu stabilisieren, indem die Allgemeinverbindlicherklärung von Tarifverträgen erleichtert wird. Hierzu soll das Arbeitnehmerentsendegesetz auf alle Branchen ausgeweitet und das Verfahren verbindlicher gestaltet werden.

Antrag herunterladen

07.12.2011 – ANTRAG – Drucksache Nr. 17/8026

Mehrheitswillen respektieren - gesetzlicher Mindestlohn jetzt!

Der Mindestlohn-Vorschlag der CDU ist eine Mogelpackung. Statt vieler verschiedener, zum Teil sehr niedriger, Branchenmindestlöhne ist endlich ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn notwendig, der für alle Beschäftigten in Deutschland gilt. Er muss so hoch sein, dass alleinstehende Vollzeitbeschäftigte davon leben können. Daher fordert DIE LINKE einen Mindestlohn in Höhe von 10 Euro pro Stunde. Das ermöglicht zudem nach 45 Beitragsjahren eine Rente oberhalb des Grundsicherungsniveaus.

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