Inhalt

Nachricht


14.03.2016 Fraktion DIE LINKE

Junge Beschäftigte vor prekärer Arbeit schützen

Junger Tischler mit Schutzbrille sägt Holz zu © iStockphoto.com/gpointstudio

 

Am 18. März diskutiert der Bundestag den Antrag (Drs. 18/6362), in dem DIE LINKE die Bundesregierung auffordert, junge Beschäftigte vor prekärer Arbeit zu schützen. Das unbefristete Arbeitsverhältnis muss wieder zur Regel werden, Leiharbeit ist im ersten Schritt strikt zu begrenzen und Werkvertragsarbeit umfassend zu regulieren.

Deutschland hat die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Doch dies ist kein Grund zum Jubeln, denn viele junge Beschäftigte stecken in prekären Beschäftigungsverhältnissen fest. Befristete Arbeitsverträge, Niedriglohn, Leiharbeit oder Werkverträge prägen vielfach ihren Arbeitsalltag. Es besteht dringender Handlungsbedarf.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der befristeten Arbeitsverträge insgesamt auf 2,7 Millionen verdreifacht. Nahezu jede und jeder vierte junge Beschäftigte unter 25 Jahren hat einen befristeten Arbeitsvertrag. Bei den 25- bis 34-Jährigen sind es immer noch 13,8 Prozent. Auch das liegt deutlich über dem Durchschnitt von 8 Prozent. Alarmierend ist die Situation von jungen Frauen unter 25 Jahren: Zwei von drei neuen Verträgen werden nur befristet abgeschlossen. Es sind Gesetzesänderungen notwendig, damit das unbefristete Arbeitsverhältnis wieder zur Regel wird.

Auch in der Leiharbeit ist der Anteil bei jungen Beschäftigten höher als im Durchschnitt. Bezogen auf alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt der Anteil der Leiharbeitskräfte bei 2,6 Prozent, von den 15 bis 25-Jährigen arbeiten 3,8 Prozent in einem Leiharbeitsverhältnis. Mehr als drei Viertel dieser jungen Leiharbeitskräfte erhalten einen Lohn unterhalb der Niedriglohnschwelle, die derzeit bei 1 973 Euro Bruttomonatsverdienst liegt.

Junge Beschäftigte unter 25 Jahren haben zu fast 25 Prozent ausschließlich einen Minijob. Im Vergleich dazu liegt der Anteil über alle Altersgruppen hinweg bei rund 15 Prozent. Auch hier zeigt sich der dringende Handlungsbedarf, dem sich die Regierung aber verweigert. Minijobs müssen sozialversicherungspflichtiger Arbeit gleichgestellt und die Subventionierung über niedrigere Sozialversicherungsbeiträge muss eingestellt werden.

Zu 44 Prozent erhalten junge Beschäftigte unter 25 Jahren einen Lohn unterhalb der Niedriglohnschwelle. Der Durchschnitt aller Altersgruppen liegt bei 20,4 Prozent. Die Regierung hat junge Beschäftigte unter 18 Jahren und ohne Berufsausbildung vom Mindestlohn ausgenommen. Diese Ausnahme muss aufgehoben werden. Der Mindestlohn muss für jedes Arbeitsverhältnis und für jede Altersgruppe gelten.

Es ist dringend erforderlich, den Schutz vor prekärer Arbeit zu erhöhen. Das gilt insbesondere für junge Beschäftigte beim Einstieg in den Arbeitsmarkt. Denn prekäre Arbeitsverhältnisse bedeuten Unsicherheit und schränken die Möglichkeit ein, das Leben selbstbestimmt zu planen. Familienplanung wird deutlich erschwert. Prekäre Arbeitsverhältnisse sind keine Brücke in den Arbeitsmarkt, wie häufig behauptet wird, sondern sie verhindern, dass junge Beschäftigte auf dem Arbeitsmarkt ankommen.


Mehr zum Thema

Ruben Lehnert

Das große Zittern um den nächsten Zeitvertrag

Immer mehr Beschäftigte haben nur zeitlich befristete Arbeitsverträge und dadurch viele Nachteile. DIE LINKE will diese Entwicklung stoppen.
Artikel lesen
05.11.2015 – REDE IM BUNDESTAG – Klaus Ernst

Gnadenlose Ausbeutung junger Beschäftigter stoppen

Gerade junge Beschäftigte sind von prekärer Beschäftigung betroffen. Fast die Hälfte aller Beschäftigten unter 25 Jahren arbeitet zu einem Niedriglohn. Bei jenen, die in Leiharbeit arbeiten sind es sogar 75 Prozent. Nahezu ein Viertel der jungen Beschäftigten unter 25 arbeiten in einem befristeten Job. Für diesen Umstand gibt es keine logische Begründung. Den Unternehmen in der BRD geht es ausgezeichnet. Trotzdem nehmen wir es seit Jahren hin, dass insbesondere jungen Menschen mit solchen prekären Arbeitsverhältnissen die Chance für eine vernünftige berufliche Entwicklung verbaut wird; von einer planbaren Familiengründung ganz zu Schweigen. Wir brauchen eine gravierende Änderung der Gesetzgebung, um diesen Zustand zu beenden!

Mehr
Ruben Lehnert

Von Zeitvertrag zu Zeitvertrag

Immer mehr Beschäftigte haben nur zeitlich befristete Arbeitsverträge und dadurch viele Nachteile. DIE LINKE will diese Entwicklung stoppen.
Artikel lesen
15.10.2015 – ANTRAG – Drucksache Nr. 18/6362

Junge Beschäftigte vor prekärer Arbeit schützen

Junge Beschäftigte sind in besonderem Maße von prekären Arbeitsverhältnissen betroffen. Befristete Arbeitsverträge, Leiharbeit, Werkvertragsarbeit, Minijobs und niedrige Löhne sind der Alltag. DIE LINKE will das ändern und fordert die Bundesregierung auf, junge Beschäftigte vor prekärer Arbeit zu schützen. Das unbefristete Arbeitsverhältnis muss wieder zur Regel werden, Leiharbeit ist im ersten Schritt strikt zu begrenzen und Werkvertragsarbeit umfassend zu regulieren.

Antrag herunterladen

27.08.2015 – NACHRICHT – Jutta Krellmann

Immer öfter befristet

Glücklich kann sich schätzen, wer auf dem deutschen Arbeitsmarkt einen unbefristeten Arbeitsplatz ergattert. Denn befristete Arbeitsverträge sind weiter auf dem Vormarsch. Inzwischen sind bei Neueinstellungen schon fast die Hälfte der Verträge nur befristet. Das zeigt eine Kleine Anfrage der Fraktion. Jutta Krellmann kritisiert, dass Befristungen auch in Bereichen vereinbart werden, die keiner Konjunktur unterliegen. Und auch der Staat tut mit. Der Spardruck der öffentlichen Hand entpuppe sich als Motor für unsichere Arbeitsplätze, so Jutta Krellmann.

Mehr
27.07.2015 – NACHRICHT – Jutta Krellmann

Jung, weiblich, befristet

Insbesondere junge Beschäftigte haben oft nur einen befristeten Arbeitsvertrag. In der Altersgruppe von 15 bis 24 Jahren sind es 23 Prozent. Das ist nahezu jede und jeder Vierte. Bei den 25 bis 34 Jährigen sind es 13,8 Prozent, auch das ist mehr als im Durchschnitt. Dieser liegt bei 8 Prozent bezogen auf die Kernerwerbstätigen in abhängigen Beschäftigungsverhältnissen.

Mehr
25.06.2015 – KLEINE ANFRAGE – Drucksache Nr. 18/5313

Einstieg in den Arbeitsmarkt für junge Beschäftigte

Die OECD hat aktuell ihren „Skills Outlook 2015“ veröffentlicht. Der Anteil von befristeten Arbeitsverhältnissen bei jungen Beschäftigten liegt in Deutschland mit knapp 50 Prozent bei der Gruppe der 15-24jährigen so hoch wie in kaum einem anderen der untersuchten Länder. DIE LINKE fragt nach, welche Erkenntnisse der Bundesregierung zu Befristungen von jungen Beschäftigten und ihren Übernahmechancen in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis vorliegen.

Kleine Anfrage herunterladen

Zu dieser Anfrage liegt eine Antwort der Bundesregierung als Drucksache Nr. 18/5608 vor.

Antwort als PDF herunterladen