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27.11.2014 Fraktion DIE LINKE

Hooligans und extreme Rechte

Gerd Wiegel berichtet vom Fachgespräch der Bundestagsfraktion zu Fankultur und Rechtsextremismus

Journalist und Fanexperte Christoph Ruf, Petra Pau und Jan Korte (v.l.n.r.)

 

Der Aufmarsch von knapp 5 000 Hooligans und Nazis unter dem Titel "Hooligans gegen Salafisten" (HoGeSa) am 26. Oktober 2014 in Köln und ein weiterer Aufmarsch dieses Spektrums am 15. November 2014 in Hannover waren der Anlass für das Fachgespräch der Bundestagsfraktion DIE LINKE zum Thema "Hooligans und extreme Rechte". Im sehr gut gefüllten Haus der Fußballkulturen diskutierten u.a. Jan Korte, Petra Pau und André Hahn mit ausgewiesenen Experten über die Einschätzungen zu HoGeSa und die Frage, ob sich hier neue Anknüpfungspunkte für die extreme Rechte ergeben beziehugnsweise welche gesellschaftspolitischen Stimmungen hier zum Ausdruck kommen.

Der Journalist und Fanexperte Christoph Ruf beleuchtete die Zusammensetzung und Entwicklung der Gruppierung, die unter dem Titel HoGeSa für einige Furore sorgte. Nachdem die Dominanz der Hooligans in den Stadien zum Ende der neunziger Jahre rückläufig war und die Attraktivität der ideologisch häufig ganz anders ausgerichteten Ultras anstieg, könnte HoGeSa eine Renaissance der Hooliganbewegung einläuten. Einerseits, so Ruf, ließ sich eine eindeutige Beteiligung von Organisationen der extremen Rechten bei HoGeSa beobachten, auf der anderen Seite könnte diese enge Verbindung mit der organisierten extremen Rechten zum Problem für HoGeSa werden, besteht doch auch bei rechten Hooligans die Sorge, politisch instrumentalisiert zu werden. Insofern sei die ganz offensichtliche Verbindung zu Parteien wie NPD, Die Rechte und anderen Naziorganisationen auch ein möglicher Spaltungsgrund der Bewegung.

Über die direkten Auswirkungen von rechter Hooligangewalt auf die Bewegungsfreiheit von kritischen und antifaschistisch ausgerichteten Ultragruppen berichtete ein Vertreter der Aachen Ultras. Sehr anschaulich schilderte er, wie die Thematisierung von Sexismus und Rassismus im Stadion von rechter Seite als Kampfansage gewertet und mit offener Gewalt beantwortet wurde. Die Ignoranz des Vereins gegenüber den rechten Umtrieben führte schließlich dazu, dass die Aachen Ultras das Stadion verlassen mussten und das Feld den rechten Hooligans überlassen wurde.

Die Schnittmengen von extremer Rechter und Hooliganbewegung waren das Thema von Robert Claus, der in der Kompetenzgruppe "Fankultur und Sport bezogene soziale Arbeit" am sportwissenschaftlichen Institut der Universität Hannover tätig ist. Ideologische Verbindungen zwischen Hooligans und extremer Rechter sah Claus weniger in der NS-Verherrlichung sondern stärker bei Themen wie Sexismus, Homophobie, Männlichkeitskult und einem antiislamischen Rassismus. Zum Verständnis der aktuellen Entwicklung sei es wichtig, die Hooligankultur selbst stärker in den Blick zu nehmen und nicht nur nach Verbindungen zu Organisationen der extremen Rechten zu gucken.

Schließlich warf Michael Gabriel von der beim Deutschen Sportbund angesiedelten Koordinierungsstelle Fanprojekte einen Blick auf die Fanarbeit der letzten Jahre, die viele positive Ergebnisse gezeigt habe. So sei es über Jahre gelungen, die rechte Vorherrschaft in vielen Kurven zu brechen und auch die Vereine zu einer deutlichen Positionierung, z.B. zum Antirassismus, zu bewegen. Kontrovers blieb die Frage, wie deutlich sich die Mitarbeiter der Fanprojekte in der Auseinandersetzung rivalisierender Fangruppen positionieren sollten oder ob sie für alle Gruppen im Stadion ansprechbar bleiben sollten.

Deutlich wurde im Fachgespräch, dass ein Phänomen wie "Hooligans gegen Salafisten" kein spezifisches Problem der Fußballfankultur ist, sonder dass hier Stimmungen zum Ausdruck kommen, die sich weit über den rechten Rand hinaus bis in die Mitte der Gesellschaft finden. Mehrfach wurde in der Diskussion auf die aktuellen Aufmärsche in Dresden unter dem Label "Patriotische Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes" (PEGIDA) oder die Proteste gegen Flüchtlingsunterkünfte in Berlin hingewiesen, zu denen jeweils mehrere tausend Menschen kamen.